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Mexiko - Aufstieg und Fall des mächtigsten Drogen-Barons der Welt

Mexiko - Aufstieg und Fall des mächtigsten Drogen-Barons der Welt CC by Borderland Beat Reporter Buggs/Wikimedia Commons




„Mission erfüllt. Wir haben ihn. Ich möchte die Mexikaner darüber informieren, dass Joaquín Guzmán Loera verhaftet wurde.“

 

 



So twitterte der mexikanische Präsident Peña Nieto am 8. Januar. Euphorisch feiern die mexikanischen Medien und Regierungsvertreter seitdem die erneute Verhaftung des mexikanischen Drogen-Barons Joaquín „El Chapo“ Guzman.


Nach einer Schießerei, bei der es 5 Tote gab, war der Chef des Sinaloa-Kartells in seiner Heimatregion festgenommen worden. Inzwischen sitzt er wieder im Hochsicherheitsgefängnis des Altiplano in Haft, aus dem er am 11. Juni 2014 geflohen war. Die mexikanischen Behörden verhandeln derweil über mehrere Auslieferungsgesuche der USA und bejubeln die erneute Festnahme von „Chapo Guzman“ als einen Beleg für die Funktionsfähigkeit ihrer Justiz.


Die Verbrecher-Karriere des meist gesuchten Drogenhändlers der Welt zeigt die Schwäche des Rechtsstaates und der politischen Institutionen in Mexiko mehr als deutlich. Zweimal war „der Chapo“ aus mexikanischen Hochsicherheitsgefängnissen geflohen: 2001 versteckte er sich in einem Wäschewagen voller Schmutzwäsche und blieb bis zu seiner erneuten Festnahme im Februar 2014 verschwunden. Bereits im Juni 2014 gelang ihm erneut die Flucht, diesmal durch einen 1,5 km langen professionell gebauten Fluchttunnel mit Entlüftung und Beleuchtung, an dessen Ausgang ein Motorrad zur weiteren Flucht bereit stand. In beiden Fällen war es offensichtlich, dass er bei seiner Flucht auf Hilfe durch das Gefängnispersonal zählen konnte.


Inzwischen sitzen für Beihilfe zu seinem letzten Ausbruch 24 ehemalige Gefängnisangestellte in U-Haft, u.a. auch der ehemalige Gefängnisdirektor. Es war vor allem die weit verbreitete Korruption, die ihm zweimal zur Flucht verhalf. Filmreif ging auch seine erneute Flucht zu Ende. „Chapo Guzman“ wurde sein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis zum Verhängnis: Er wollte einen professionellen autobiographischen Film drehen und hatte dafür Schauspieler und Filmleute kontaktiert. Dies brachte die Ermittler auf seine Spur und führte unter tatkräftiger Mithilfe von US-Behörden zu seiner Festnahme in seiner Heimatregion Sinaloa.



Was bedeutet dies für die mexikanische Regierung?


Die spektakuläre Flucht im Sommer 2014 hatte das Ansehen der mexikanischen Regierung international schwer beschädigt und die Schwächen der Justiz deutlich aufgezeigt. Seine Flucht in kurzem zeitlichen Abstand zum Verschwinden und der wahrscheinlichen Ermordung von 43 Lehramtsstudenten im September 2013, bei der der Bürgermeister der Stadt Iguala, die örtliche Polizei und eine kriminelle Bande gemeinsame Sache machten, beschädigte das internationale Ansehen Mexikos schwer. Der aktuelle Fahndungserfolg soll diesen schlechten Eindruck wettmachen und das international schwer angeschlagene Image aufbessern. Dabei ist die Festnahme nicht das eigentliche Thema.


Schon in der Vergangenheit haben die mexikanischen Sicherheitskräfte gezeigt, dass sie eine solche Operation erfolgreich durchführen können. Die Frage ist vielmehr, inwieweit die mexikanische Justiz in der Lage ist, ein rechtsstaatlich einwandfreies Verfahren durchzuführen und dem Rechtsstaat Geltung zu verschaffen. Daran besteht berechtigter Zweifel. Unabhängige Experten und selbst Vertreter der mexikanischen Regierung befürworten deshalb eine Auslieferung an die USA. – Ein entscheidender Schlag gegen das organisierte Verbrechen ist den mexikanischen Behörden mit der erneuten Festnahme des Chapo wohl nicht gelungen. Denn das mächtige Sinaloa-Kartell ist längst eine international tätige, dezentral organisierte kriminelle Holding, unter deren Dach örtliche und regionale Gruppen weitgehend autonom ihre Geschäfte machen.


Während der Haftzeit seines Chefs konnte das Sinaloa-Kartell zur mächtigsten kriminellen Vereinigung Mexikos aufsteigen. Korruption und gute Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten erlaubten es dem Kartell-Chef ausserdem, auch aus der Haft heraus seinen Geschäften nachzugehen. Man hatte ihm zwar seine persönliche Freiheit genommen, nicht aber den Zugang zu seinem Vermögen. In Teilen der Gesellschaft, vor allem auch in seiner Heimatregion Sinaloa, genießt er bis heute Loyalität und Bewunderung.


Die weitgehende Verschmelzung persönlicher Geschäftsinteressen mit Verwaltung und Politik ist besonders in den ländlichen und strukturschwachen Regionen Mexikos eine selbstverständliche Realität. Dies zeigen Vorfälle wie die Ereignisse um die verschwundenen Studenten von Ayozinapa/Iguala, die kürzliche Ermordung der Bürgermeisterin der Gemeinde Temixco im armen Bundesstaat Guerrero oder die kriminelle Karriere des „Chapo Guzman“. Die OECD bezeichnet in ihrem aktuellen Doing Business Report deshalb zurecht Korruption, die schwache Justiz, eine schwerfällige Bürokratie und die schlechte Sicherheitslage als Hauptprobleme Mexikos.


Birgit Lamm ist Leiterin des Stiftungsbüros in Mexiko City. 

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